Am 6. Tag des Januars geht die Weihnachtszeit zu Ende.
Und mit ihr wächst das Bedürfnis nach einer Haltung, die ebenso still wie unmissverständlich wirkt.
Als diplomierte Imageberaterin – ein Titel, der aus einem überteuerten Onlinekurs hervorging, in dem sich Personal Shopping und Benimmlehre (Knigge) in bemerkenswerter Weise vermählten – verfüge ich gewiss nicht über allwissende Erleuchtung. Doch das Fundament der Etikette sitzt fest, wie ein gut geknöpfter Blazer an einem disziplinierten Rücken.
Kultivierten Menschen mangelt es nie an Haltung. Ihr Erscheinungsbild wirkt mühelos makellos, selbst wenn es das Resultat liebevoller Disziplin ist. In diesem Sinne erlaube ich mir, fünf meiner bevorzugten Grundregeln zu nennen, die immer und überall Noblesse vermitteln:
1. Der Kopf bleibt erhoben, der Rücken aufrecht. Der Bauch tritt diskret zurück, die Schultern ruhen sanft nach hinten. Haltung ist keine Pose – sie ist eine Geisteshaltung.
2. Man spricht mit Ruhe und Tiefe. Eine minimal tiefere Stimme verleiht Worten Gewicht und lässt jedes Gespräch in kultivierter Selbstbeherrschung aufblühen.
3. Straßenslang weicht gepflegter Eloquenz. Schärfe in der Sprache ist erlaubt, doch sie soll klingen wie ein seidig verpackter Stich, nicht wie ein ungehobelter Ausbruch.
4. Niemals hasten. Keine Snacks im Gehen, keine Getränke aus Pappbechern im Stehen. Wer hungrig oder durstig ist, nimmt Platz und widmet sich der eigenen Versorgung mit geordneter Würde. Auch die Eile im Gehen erliegt einem ruhig gehaltenem Spazieren.
5. Das Mobiltelefon bleibt verborgen. Öffentliche Räume sind keine Bühnen für Displaysucht. Ausnahme: wirkliche Notfälle. Man rempelt niemanden an, während man sich durch einen Bildschirm frisst.
Niemand ist verpflichtet, diesen Regeln zu folgen – wir sind schließlich keine dogmatische Gemeinschaft. Doch wer Eleganz anstrebt, findet in ihnen verlässliche Begleiter.
Ich wünsche eine fortgesetzt friedvolle Winterzeit, erfüllt von Gelassenheit und frei von unnötigem Trubel.
Bis bald.
— 𝓛𝓪𝓿𝓲𝓷 𝓒𝓵𝓪𝓼𝓼𝔂