Menschen ziehen um, seit sie sesshaft genug geworden sind, überhaupt etwas zu besitzen, das sich mitzunehmen lohnt. Schon in früheren Jahrhunderten mussten Hausrat, Möbel und Vorräte über beträchtliche Entfernungen befördert werden. Was heute ein Umzugswagen an einem Vormittag erledigt, verlangte einst sorgfältige Vorbereitung.
Bevor Sie mit der Lektüre dieses Schreibstücks beginnen, erlauben Sie sich einen kleinen Moment der Vorbereitung. Stellen Sie sich eine Tasse Tee oder Kaffee bereit und nehmen Sie Platz.
Man sollte meinen, einige Jahrhunderte Fortschritt hätten uns das Umziehen erleichtert. Stattdessen besitzen wir heute lediglich mehr Dinge, mehr Kabel und eine bemerkenswerte Anzahl von Gegenständen, deren Existenz wir längst vergessen hatten. Mit etwas Voraussicht, vernünftiger Planung und der Bereitschaft, Überflüssiges zurückzulassen, lässt sich dennoch selbst ein Umzug mit Würde bewältigen. Er verlangt vor allem nach Struktur – und nach der Einsicht, dass nicht jeder Gegenstand, der den letzten Haushalt überlebt hat, automatisch ein Anrecht auf den nächsten besitzt.
DIE VORBEREITUNG UND DAS AUSMISTEN
Rechtzeitig kündigen: Kündigen Sie Ihre Wohnung fristgerecht und halten Sie sich an die im Mietvertrag vorgesehene Form. Für wichtige Schreiben empfiehlt sich der Versand per Einschreiben. Verbindlichkeit ist schließlich erheblich angenehmer als eine spätere Diskussion darüber, wer wann welches Schreiben angeblich nicht erhalten hat.
Frühzeitig beginnen: Ein Umzug sollte nicht drei Tage vor der Wohnungsübergabe mit einer Rolle Klebeband und aufkeimender Verzweiflung beginnen. Dinge, die Sie selten benötigen, können bereits Wochen vorher verpackt werden. Der Mensch lebt schließlich nicht vom täglichen Zugriff auf seine Weihnachtsdekoration.
Aussortieren vor dem Packen: Behalten Sie, was Sie tatsächlich benötigen, verwenden oder aufrichtig schätzen. Alles andere darf gehen. Einen Gegenstand jahrelang nicht benutzt zu haben und ihn anschließend mit beträchtlichem Aufwand in ein neues Haus zu transportieren, ist keine Sentimentalität. Es ist schlechte Logistik.
Wertvolles weitergeben: Gut Erhaltenes kann verkauft, verschenkt oder gespendet werden. Plattformen wie Ricardo, eBay oder Vinted leisten hierbei ausgezeichnete Dienste. Was weder Ihnen noch jemand anderem von Nutzen ist, wird fachgerecht entsorgt. Ein neues Zuhause sollte schließlich nicht mit den Versäumnissen des alten Haushalts eröffnet werden.
DAS SORGFÄLTIGE VERPACKEN
Ausreichend Material beschaffen: Kartons, Packpapier, Polsterfolie, Klebeband und stabile Säcke gehören zur Grundausstattung. Kaufen Sie lieber etwas mehr als zu wenig. Nichts ist unerquicklicher als die Erkenntnis, dass das Klebeband exakt drei Kartons vor Schluss ausgegangen ist.
Zerbrechliches schützen: Porzellan und Gläser werden einzeln eingewickelt und Kartons keinesfalls überladen. Ein Karton mit Geschirr muss noch von einem Menschen getragen werden können. Er dient dem Transport des Porzellans, nicht der Prüfung körperlicher Belastbarkeit.
Präzise beschriften: Jeder Karton erhält eine eindeutige Bezeichnung und das Zimmer, in das er gehört. „Küche – Gläser – zerbrechlich“ ist eine Information. „Diverses“ ist eine Kapitulation.
Nach Räumen packen: Badezimmer, Küche und Schlafzimmer haben in einem gemeinsamen Karton nichts verloren. Wer beim Auspacken zwischen Handtüchern nach der Salatschüssel suchen muss, hat beim Einpacken bereits einen Fehler gemacht.
Garderobe schonend transportieren: Kleidung kann auf den Bügeln direkt in grosse, stabile 110-Liter-Säcke gehängt werden. Die Verschlussschnur wird vorsichtig um die Bügelköpfe gelegt. So bleibt die Garderobe ordentlich und kann am neuen Ort unmittelbar wieder aufgehängt werden. Es gibt am Ende eines Umzugstages wahrlich reizvollere Beschäftigungen, als eine vollständige Garderobe neu aufzubügeln.
Den Erste-Nacht-Koffer packen: Kleidung zum Wechseln, Toilettenartikel, Medikamente, Ladegeräte und Handtücher gehören in eine separate Tasche. Auch Kaffee und das Nötigste für den nächsten Morgen dürfen berücksichtigt werden. Niemand sollte nach einem langen Umzugstag zwischen zwanzig Kartons nach seiner Zahnbürste suchen. Das ist keine Abenteuerreise.
Wichtige Dokumente bei sich führen: Pass, Identitätskarte, Mietvertrag sowie Versicherungs- und Bankunterlagen gehören niemals in irgendeinen Karton mit der Aufschrift „Büro“. Sie bleiben in Ihrer persönlichen Obhut.
Eine Inventarliste führen: Nummerieren Sie Ihre Kartons und notieren Sie deren Inhalt. „Karton 17 – Küche – Backformen“ mag unspektakulär klingen, ist jedoch spätestens dann von unschätzbarem Wert, wenn ausgerechnet die Backform gesucht wird. Ordnung muss nicht aufregend sein. Sie muss funktionieren.
FORMALITÄTEN UND ADMINISTRATIVE PFLICHTEN
Adressänderungen mitteilen: Informieren Sie Banken, Versicherungen, Krankenkasse, Arbeitgeber, Abonnements, Ärzte und Schulen rechtzeitig über Ihre neue Anschrift. Ein Umzug ist keine hinreichende Begründung dafür, dass wichtige Korrespondenz noch monatelang durch die halbe Schweiz reist.
Anmeldung bei der Gemeinde: Erledigen Sie die vorgeschriebene Anmeldung bei Ihrer neuen Wohngemeinde innerhalb der geltenden Frist. Wer die Möglichkeit einer elektronischen Meldung nutzen möchte, kann dies entsprechend tun. Verwaltung wird nicht interessanter, wenn man sie aufschiebt.
Fahrzeug und Führerausweis anpassen: Auch die zuständigen Stellen für Fahrzeug und Führerausweis sind über die neue Anschrift fristgerecht zu informieren. Der Umzug mag emotional bereits abgeschlossen sein; administrativ ist er es erst, wenn auch die Akten davon erfahren haben.
Anschlüsse vorausschauend organisieren: Internet, Telefon und Strom werden frühzeitig organisiert. Dienstleister benötigen Vorlaufzeit, und auf dem Boden des neuen Wohnzimmers zu sitzen und festzustellen, dass für die kommenden zwei Wochen kein Internet vorgesehen ist, gehört zu jenen Erfahrungen, die sich mit einem einzigen rechtzeitigen Telefonat vermeiden lassen.
DIE REINIGUNG UND WOHNUNGSÜBERGABE
Reinigung mit Sorgfalt planen: Die alte Wohnung wird sauber und im vertraglich geschuldeten Zustand übergeben. Arbeiten Sie Raum für Raum und vergessen Sie weder Schränke noch Fenster, Backofen oder Sanitäranlagen. Die Tatsache, dass man eine Wohnung verlässt, ist kein Grund, sich von ihr mit schlechten Manieren zu verabschieden.
Zustand dokumentieren: Fotografieren Sie die gereinigten Räume vor der Übergabe. Eine sachliche Dokumentation ist selten besonders romantisch, aber außerordentlich nützlich, sobald Erinnerungen verschiedener Parteien plötzlich erstaunlich voneinander abweichen.
Schlüsselübergabe strukturieren: Sämtliche Schlüssel liegen vollständig bereit. Zustand und Schlüsselabgabe werden im Übergabeprotokoll schriftlich festgehalten. Ein Schlüsselbund ist kein geeigneter Ort für Improvisation.
DAS EINRICHTEN IM NEUEN HEIM
Schrittweise auspacken: Beginnen Sie mit dem Wesentlichen: Bett, Badezimmer und Küche. Es besteht kein gesellschaftlicher Zwang, am ersten Abend bereits jedes Buch alphabetisch im Regal stehen zu haben. Wer Ihnen das Gegenteil erzählt, darf gern beim Auspacken helfen.
Möbel zuerst platzieren: Bevor sämtliche Kartons geöffnet werden, sollte der Grundriss stehen. Wer erst seinen gesamten Besitz ausbreitet und anschließend darüber nachdenkt, wohin das Sofa gehört, hat sich sein Chaos mit bemerkenswerter Gründlichkeit selbst geschaffen.
Werkzeug griffbereit halten: Werkzeug, Schere, Cutter und Klebeband gehören in eine eigene, jederzeit erreichbare Tasche. Der Schraubenzieher, den man dringend benötigt, sollte niemals in dem Möbelstück liegen, für dessen Aufbau man ebenjenen Schraubenzieher benötigt.
Für Verpflegung sorgen: Wasser, Kaffee und einfache Speisen gehören zum Umzugstag. Ein Umzug verlangt nach Kräften, nicht nach kulinarischen Ambitionen. Das Soufflé darf warten.
Verpackungsmaterial bedacht entsorgen: Behalten Sie einige Kartons für die ersten Tage zurück. Erst wenn sich die neue Ordnung gefestigt hat, darf der Rest gehen. Erfahrungsgemäß entdeckt man nämlich immer noch einen Gegenstand, für den plötzlich doch eine Schachtel benötigt wird.
Und vielleicht ist dies der wichtigste Gedanke bei diesem ganzen Vorhaben: Nehmen Sie nicht alles mit, nur weil es einmal Ihnen gehört hat.
Eine neue Wohnung verdient nicht zwangsläufig dieselben Dinge wie die alte. Sie verdient eine bewusste Auswahl.
Denn ein Umzug ist nicht lediglich der Wechsel einer Adresse. Er ist eine der seltenen Gelegenheiten, den eigenen Besitz mit derselben Strenge zu betrachten, mit der man eine Gästeliste betrachtet: Wer bleibt, sollte einen guten Grund dafür haben.
Wenn schließlich die letzte Schachtel geöffnet, das letzte Bild aufgehängt und der letzte Schlüssel abgegeben ist, sollten Sie nicht das Gefühl haben, Ihre alte Wohnung lediglich an einen anderen Ort getragen zu haben.
Sie sollten das Gefühl haben, angekommen zu sein.
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Zeit und Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.
Möge Ihr Neubeginn von Ruhe, Klarheit und einer erfreulich überschaubaren Anzahl ungeöffneter Kartons begleitet sein.
Bis zum nächsten Schreibstück.
— 𝓛𝓪𝓿𝓲𝓷 𝓒𝓵𝓪𝓼𝓼𝔂