Kinder sind unsere Zukunft.
Wir prägen, wer sie werden. Und sie spiegeln, wer wir sind.
Neulich ging ich an einem Samstagvormittag mit meinem noch nicht zweijährigem Nachwuchs nach draußen.
Die Sonne stand klar, die Luft war kalt – jenes Wetter also, das Disziplin verlangt, nicht Ausreden. Auf dem Spielplatz war ein einziges weiteres Kind. Ein Mädchen, deutlich älter, begleitet von ihrem Vater. Es passte nicht zum gemeinsamen Spiel, nicht zum Austausch, nicht zu jenem beiläufigen Miteinander, das Kinder sonst ganz selbstverständlich finden.
Diese Leere ist kein Zufall.
Sie ist Ausdruck einer Gegenwart, in der Kinder allzu häufig ruhiggestellt werden – vor Bildschirmen, zwischen Konsumflächen, beschäftigt, aber nicht beteiligt. Doch das ist keine Kindheit. Kindheit benötigt Rhythmus, Wiederholung, echte Präsenz. Und Erwachsene, die bereit sind, Zeit nicht zu füllen, sondern zu halten.
Ich bedaure den gegenwärtigen Zustand zutiefst.
Umso mehr erscheint es mir geboten, einige Anregungen weiterzugeben – mit dem schlichten Ziel, Kindern jene Kindheit zu ermöglichen, die ihnen zusteht.
Gestalten: Malen, Basteln, Formen
Jedes Kind trägt das Bedürfnis nach Ausdruck in sich.
Papier, Farben, Stempel, Naturmaterialien genügen. Es geht nicht um Ergebnisse, sondern um Erfahrung. Etwas mit den eigenen Händen entstehen zu lassen, schult Konzentration, Geduld und Selbstvertrauen. Auch junge Kinder begreifen früh: Gestaltung bedeutet Wirksamkeit.
Lesen: Zeit als stilles Geschenk
Ob erstes Fühlbuch, phantasievolle Erzählung oder Comic – Lesen ist kein Bildungsprogramm, sondern Nähe.
Ein Kind, dem vorgelesen wird, lernt zuhören, verweilen, folgen. Und vor allem: Es lernt, dass Zeit geschenkt werden kann, ohne Zweck, ohne Ablenkung.
Backen und Kochen: Kreativität mit Substanz
Teig kneten, Brötchen formen, Kekse ausstechen – Lebensmittel sind ein idealer Einstieg in Verantwortung und Sinnlichkeit.
Das Kind erlebt Struktur, Geduld und das Prinzip von Ursache und Wirkung. Es erschafft etwas, das nährt. Das ist keine Spielerei, sondern gelebter Alltag mit Würde.
Bewegung: Draußen oder drinnen
Spielplatz, Spaziergang, Hof, Wald – oder bei schlechtem Wetter ein Indoor-Spielplatz, ein leerer Raum, ein Flur.
Kinder benötigen Bewegung, nicht Entertainment. Sie brauchen Raum, nicht Programme. Selbst ein kurzer Weg nach draußen verändert Haltung, Atmung und Stimmung – bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern.
Rituale des Alltags bewusst leben
Der Tisch wird gemeinsam gedeckt.
Blumen werden arrangiert.
Kerzen angezündet, Schuhe gepflegt, Post sortiert.
Kinder möchten nicht permanent unterhalten werden. Sie möchten beteiligt sein.
Rituale schaffen Ordnung, Zugehörigkeit und Selbstverständlichkeit. Sie lehren, dass auch das Unspektakuläre Würde besitzt.
Kinder erinnern uns daran, dass Haltung nicht erklärt, sondern gelebt wird.
Sie beobachten, übernehmen, prägen sich ein.
Umso größer ist unsere Verantwortung, ihnen nicht Ablenkung zu bieten, sondern Orientierung.
Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihr Interesse.
Möge dieser Gedanke Sie noch eine Weile begleiten.
Bis zum nächsten Schreibstück.
— 𝓛𝓪𝓿𝓲𝓷 𝓒𝓵𝓪𝓼𝓼𝔂