ZUR WÜRDE EINER GEBURT

Veröffentlicht am 14. Jänner 2026 um 11:30

Ein neues Leben wird geboren – und mit ihm ein Moment, der Disziplin verlangt.

Vor wenigen Tagen wurde in meinem nahen Umfeld ein Kind geboren.

Solche Ereignisse sind keine Einladung zur Lautstärke, sondern eine Prüfung des Benehmens. Sie zeigen, wer Maß kennt – und wer sich im Überschwang verliert.

 

Die Geburt eines Kindes bringt bei vielen Erwachsenen eine bemerkenswerte Nervosität hervor. Man gratuliert zu früh, zu laut, zu viel. Man kauft hastig, besucht unangemeldet, spricht ungefragt. Als müsse dieser Moment mit Aktivität gefüllt werden, statt mit Respekt.

Dabei gilt gerade hier: Zurückhaltung ist kein Mangel an Anteilnahme, sondern deren vornehmste Form.

Etikette beginnt nicht bei der Frage was man schenkt, sondern bei wann und wie.

Und sie endet nicht beim Kind. Sie beginnt bei der Mutter.

Ein Geburtsgeschenk ist keine Bühne für Großzügigkeit. Es dient weder der Selbstdarstellung noch dem Wunsch, Nähe zu erzwingen. Es ist eine stille Anerkennung – und richtet sich zuerst an jene, die diesen Moment körperlich, seelisch und organisatorisch trägt.

Für die Mutter sind Aufmerksamkeiten angebracht, die Entlastung und Ruhe signalisieren:

Nervennahrung von guter Qualität.

Ein feines Badesalz.

Eine schlichte Körperpflege für zu Hause.

Blumen – ja, aber ohne Pathos.

Oder ein stiller Hinweis auf Erholung: ein Spa-Moment, nicht als Event, sondern als Möglichkeit.

Erst danach folgt das Kind.

Auch hier gilt: Weder Überfluss noch Belanglosigkeit sind angebracht.

Diamanten sind ebenso unpassend wie Plastik.

Was Bestand hat, überzeugt: Wolle, Seide, Holz, Samt. Materialien, die Würde besitzen.

Ein fein gearbeitetes Spielzeug.

Eine Wolldecke mit diskreter Bestickung.

Gehäkelte Babyschuhe.

Ein schlichtes Armband aus Gold oder Silber – nicht als Schmuck, sondern als Erinnerung.

Quantität ist kein Ersatz für Geschmack.

Ebenso entscheidend wie das Geschenk ist das Verhalten:

– Kranke Menschen bleiben fern. Punkt.

– Besuche werden angekündigt, nicht improvisiert.

– Die Mutter wird bedacht, nicht übergangen.

– Kleidung in Größe 50/56 ist meist bereits Vergangenheit.

– Das Kind wird nicht ungefragt aus den Armen genommen.

– Man bleibt so lange, wie es angenehm ist – und nicht eine Minute länger.

 

Worte verdienen dieselbe Disziplin.

Keine Ratschläge. Keine Vergleiche. Keine Lebensberichte.

Ein klarer Glückwunsch genügt.

Etikette rund um eine Geburt bedeutet vor allem eines: den Raum der jungen Familie zu wahren. Wer dies versteht, beweist mehr Feingefühl als durch jede kostspielige Gabe.


Ein Kind tritt in die Welt.

Und wir Erwachsenen zeigen, ob wir wissen, wie man ihm – und seiner Mutter – würdig begegnet.

Ich wünsche der jungen Familie eine ruhige, gesunde Kennenlernzeit.


Und ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Zeit und fürs Lesen.

— 𝓛𝓪𝓿𝓲𝓷 𝓒𝓵𝓪𝓼𝓼𝔂