EIN STILLER IRRTUM DES VORMITTAGS

Veröffentlicht am 10. Jänner 2026 um 13:32

Am Vormittag klang alles noch nach einer Randnotiz.

Ein paar Millimeter, hieß es. Kaum der Rede wert, kaum geeignet, den Alltag zu verändern. Der Winter schien sich zurückzuhalten, beinahe höflich.

Am Mittag jedoch stand ich unvermittelt in rund fünfzehn Zentimetern Neuschnee. Kein langsames Herantasten, keine sanfte Steigerung – nur diese stille, entschlossene Korrektur der Realität. Schritte wurden schwerer, Geräusche gedämpfter, die Welt plötzlich konzentriert auf das Wesentliche.

 

Der Schnee lag nicht dekorativ, sondern bestimmend. Er verlangte Aufmerksamkeit, Haltung, einen festen Stand. Was am Morgen noch beiläufig erschien, forderte wenige Stunden später Konsequenz.

 

Solche Tage erinnern daran, wie trügerisch Prognosen sein können – und wie wenig sich das Wesentliche ankündigt. Der Winter braucht keine Dramaturgie. Er tritt ein, wenn er es für richtig hält, und ordnet die Dinge neu.

 

In diesem Sinne: frohe Wintertage.

Still, klar und von jener Schönheit, die sich nicht erklärt, sondern einfach da ist.

— 𝓛𝓪𝓿𝓲𝓷 𝓒𝓵𝓪𝓼𝓼𝔂