Ich wollte schon früh einen eigenen Blog, eine eigene Online-Kolumne schreiben.
Bevor Sie weiterlesen, erlauben Sie sich einen Moment. Stellen Sie sich eine Tasse Tee oder Kaffee bereit und nehmen Sie Platz.
Dass Lavin Classy in genau dieser Form entstehen würde, hat mich allerdings selbst überrascht. Wie so oft liegt die richtige Form eines Vorhabens nicht in der ersten Vorstellung, sondern in jener, die bleibt, nachdem man einige Irrtümer höflich verabschiedet hat. Es gab eine Zeit, in der ich meinte, ein Blog müsse nach Aufwand aussehen, um Erfolg zu haben. Ich hielt es für beinahe selbstverständlich, dass man fortwährend Bilder von großen Fassaden, teuren Orten und jener glatten Welt zeigen müsse, die überall nach Bedeutung aussieht und bei näherem Hinsehen doch vor allem nach Rechnung klingt. Ich glaubte, es brauche Reisen, kostspielige Kulissen und jene sorgfältig inszenierten Eindrücke, die das Budget weit zuverlässiger belasten als den Gedanken verfeinern.
Damals schien es mir fast logisch, dass eine Kolumne über Stil nur dann bestehen könne, wenn sie sich fortwährend in Mailand, am Comer See oder zwischen tadellos drapierten Fassaden bewege. Als müsse man unablässig unterwegs sein, unablässig darstellen, unablässig beweisen, dass man Zugang zu einer Welt habe, die vor allem eines ist: teuer. Es war, rückblickend betrachtet, eine recht anstrengende Vorstellung. Und keine besonders intelligente. Mit der Zeit hat sich mein Blick vollständig gewandelt. Darüber bin ich nicht nur erleichtert, sondern aufrichtig froh. Denn die eigentliche Qualität meiner Nische liegt nicht in kostspieligen Bildern, sondern in einer anderen Form von Reichtum. Nicht in fünfhundert Franken teuren Schuhen, nicht in Königskaviar und auch nicht in jener etwas ermüdenden Auffassung, Luxus müsse vor allem selten, teuer und sichtbar sein. Die feinere Wahrheit ist leiser. Und, was noch angenehmer ist, deutlich geschmackvoller. Quiet Luxury, sofern der Ausdruck überhaupt einmal etwas Vernünftiges meinen soll, liegt nicht im Preis. Es liegt in der Art, wie man das Leben betrachtet. In der Romantisierung des Alltags. In einem sorgfältig gedeckten Tisch. In einer Tasse Kaffee am richtigen Ort. In ruhigen Naturbildern. In Licht auf einer Wand. In Ordnung. In Zeit. In einem Blick, der das Gewöhnliche nicht gering schätzt. Gerade darin liegt für mich die Erleichterung und auch der Stolz. Ich muss nichts darstellen, das nicht zu meinem Leben gehört. Ich muss keine fremde Welt nachahmen, um etwas Eigenes von Wert zu schaffen. Meine Nische ist nicht kleiner, weil sie näher ist. Sie ist stärker, weil sie wahr ist.
Vielleicht ist das die angenehmste Erkenntnis überhaupt: Stil entsteht nicht dort, wo das Leben am teuersten ist, sondern dort, wo es mit Aufmerksamkeit betrachtet wird.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Vielleicht lesen wir uns im nächsten Schreibstück wieder – oder im Rundbrief.
— 𝓛𝓪𝓿𝓲𝓷 𝓒𝓵𝓪𝓼𝓼𝔂
Weitere Gedanken finden Sie auch im Rundbrief. Das Foyer öffnet sich hier.