DIE KUNST DER BEGRÜSSUNG

Veröffentlicht am 18. April 2026 um 09:30

Man könnte meinen, die Gesellschaft habe die einfachsten Formen des Anstands verlernt.

Bevor Sie weiterlesen, erlauben Sie sich einen Moment. Stellen Sie sich eine Tasse Tee oder Kaffee bereit und nehmen Sie Platz.  
Man betritt ein Geschäft und wird mit einem beiläufigen „Hoi“, „Tschou“ oder „Sälü“ empfangen  gelegentlich begleitet von jener Tonlage, die eher an einen Pausenhof erinnert als an einen Ort des Handels. Im ungünstigeren Fall bleibt die Begrüßung vollständig aus, als wäre Höflichkeit ein optionaler Service. Dabei ist eine Begrüßung keine Nebensächlichkeit. Sie ist der erste Ausdruck von Respekt. 
Eine kultivierte Begrüßung richtet sich nach Situation, Tageszeit und Beziehung.

Die Tageszeiten sind dabei klar:

– Guten Morgen: von 05.00 bis 10.00 Uhr 

– Guten Tag: von 10.00 bis 17.00 Uhr

– Guten Abend: ab 17.00 Uhr

Im deutschsprachigen Raum der Schweiz gehören jedoch auch die traditionellen Formen dazu:

– Grüezi / Grüessech — die klassische, respektvolle Begrüßung gegenüber einer Person.

– Grüezi / Grüessech mitenand — die höfliche Form, wenn mehrere Personen angesprochen werden.

Diese gelten im Alltag, im Geschäft, im Restaurant oder bei Begegnungen im Treppenhaus. Sie verbinden Höflichkeit mit regionaler Selbstverständlichkeit. 
Ebenso wichtig ist die Verabschiedung, denn sie beendet eine Begegnung mit derselben Würde, mit der sie begonnen hat. 

Gebräuchliche und angemessene Formen sind:

 – Auf Wiedersehen — die klassische, höfliche Verabschiedung im Alltag und im Geschäft.

– Adieu oder Adee — eine in der Schweiz verbreitete, respektvolle Abschiedsform.

– Einen schönen Tag noch — häufig im Handel oder bei kurzen Begegnungen.

– Einen schönen Abend — wenn man sich am Abend trennt.

– Bis bald oder Bis später — im privaten oder vertrauten Umfeld.

– Vielen Dank, auf Wiedersehen — besonders passend nach einem Einkauf oder im Restaurant.

Im Restaurant darf der Gast sich etwa mit einem ruhigen „Vielen Dank, einen schönen Abend“ verabschieden. Beim Verlassen eines Geschäfts genügt ein schlichtes „Vielen Dank, auf Wiedersehen“ oder ein freundliches „Adieu, Merci“.

Es sind nur wenige Worte. Doch sie verraten viel über einen Menschen.

Denn Kultiviertheit zeigt sich selten in großen Gesten. Sie zeigt sich in den kleinen Selbstverständlichkeiten des Alltags.

Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre Aufmerksamkeit. Bis zum nächsten Schreibstück.  
— 𝓛𝓪𝓿𝓲𝓷 𝓒𝓵𝓪𝓼𝓼𝔂

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